INTERNATIONALER SENIORENTANZLEITER KONGRESS

ISCD vom 10. – 15. Mai 2010 in Gérardmer, Frankreich

 

Der internationale Tanzleiterkongress fand in Gérardmer in den Vogesen statt, ein idyllisch gelegener Touristenort auf 660 m an einem kleinen See mit schöner Strandpromenade, eingebettet in grünen Hügeln.  Wahrlich eine Feriendestination ! In der Winter(Ski-)- und Sommer(Wassersport-)-Saison soll es 3 mal mehr Leute beherbergen als normal (10‘000 Einwohner). Da jetzt Zwischensaison war und Petrus wettermässig nicht so gut drauf, war es eher ruhig im Städtchen. Aber wir waren ja voll beschäftigt von früh bis abends spät, so dass wir eh keine Zeit zum Flanieren, Lädelen und für Sonnenbäder hatten.
Gleich nach meiner Ankunft tauchte ich im grossen Saal in eine konzentrierte und doch lebhafte und frohe Stimmung ein.
Besonders gefielen mir die Länder-Präsentationen, die über die ganze Woche verteilt waren. Einheitlich gekleidet führten die Gruppen ihre Tänze vor. Dann wurden die über 250 TänzerInnen aufs Parkett gebeten und mit guten Instruktionen in Französisch, Englisch und Deutsch  konnten wir alle zusammen tanzen. Es gab einfache, aber auch recht schwierige Tänze, bei denen ich froh bin, wenn sie bei uns nochmals von Grund auf erklärt werden. Belgien brachte z.B. den „Charleston girls“ mit, einen fröhlichen Tanz mit rassiger Musik. Schweden entzückte mit „Carmen“, ein schwerer aber sehr romantischer Linedance. Lieblich der russische Frauentanz „Posadila Rozu“ der Niederländer. Vor allem die Brasilianerinnen tanzten mit Wonne „Gudnys Salsa“, den Norwegen vorstellte. Fröhlich tanzten wir alle „Balloindodici“, eine 6 Paar-Quadrille aus Italien. Einzig schade fand ich, dass nicht jede Gruppe einen Tanz aus ihrem eigenen Land mitbrachte !                     Helen Bader

Mit grosser Spannung wurden die jeweiligen Präsentationen von den verschiedenen Ländern vorgetragen. Beim Mittanzen nach der Präsentation kam dann das Aha-Erlebnis und jeder Tanz hatte auf seine Art etwas Schönes, Rassiges, Witziges, Unkompliziertes, Ansprechendes und vieles mehr gezeigt. Kein Tanz fiel auseinander, alles wurde schnell und locker von deutsch auf  französisch, von französisch auf englisch und umgekehrt übersetzt. Auch yksi, kaksi, kolme – das verstanden alle ohne Übersetzung.                                                                                          Claudia Gschwind

Im Tanzprogramm war auch Tanzen im Sitzen angesagt. Ein Vierer-Team aus der Schweiz mit Leiterin Trudi Moser präsentierte fünf Tänze:
Blühender Schneeballbusch, Tanzen mit Zorbas, Frühlingserwachen, Rumba in Bewegung und Chästeilet.
In der Pause wurde Trudi richtig überrannt von interessierten Tanzleiterinnen aus ganz Europa. Alle wollten die CD und das Büchlein Tanzplausch 2 kaufen. Zum Glück hatte Trudi genug mitgenommen.                      Bea Hofer

Am Mittwoch und Donnerstag standen Workshops auf dem Programm.

Französische Tänze mit Michèle Champseix und Ronan Guilcher

Im grossen Saal versammelt sich eine grosse Gruppe Tänzerinnen und Tänzer. Michèle Champseix, unsere französische Profi-Tanzlehrerin, gibt sich unendlich Mühe, uns den BRANLE exakt und genau in Ausdruck und Rhythmus beizubringen. Leider schleicht sich immer wieder einer oder eine davon, wenn Michèle sich mit dem Akkordeon-Spieler Ronan Guilcher beschäftigt. Wir hatten Life-Musik: ein Vollbart-Franzose, der ganz virtuos von einem Rhythmus in den andern wechselte. Da mussten wir uns sehr konzentrieren, um nicht aus dem Takt zu fallen! Grosse Aufmerksamkeit war gefragt und Durchhaltewillen. Mir hat es gefallen!!

Rounds mit Susanne & Georges Bolliger-Heuss

Anschliessend bei den Rounds (leider in der Eingangshalle) wurden wir – wie von Susanne immer! – so professionel angeleitet, dass es eine Erholung und Freude war. Bettina aus Brasilien, welche zum ersten Mal Rounds tanzte, war total begeistert. Wir auch! Der Schwerpunkt lag diesmal bei einfachen ChaChaCha- & Rumba- Folgen und Mixern, einigen Walzern und einem Tango. Die Stimmung war – trotz den misslichen Räumlichkeiten - super.                                                                                                  Hani Meili

Tai Chi mit Eric Bourbonnais

Gespannt warteten wir in einem Kursraum, der aus allen Nähten zu platzen drohte, auf den Beginn des Tai Chi-Kurses. Eric Bourbonnais, ein junger, sympathischer Mann begrüsste uns auf Französisch und Englisch. Doch viele Worte brauchte es gar nicht. Er zeigte uns fliessende, runde und langsame Bewegungsabläufe, die wir zuerst alleine übten. Anschliessend arbeiteten wir zu zweit: Einer zeigte vor, der andere spiegelte. Die Wirkung war für mich wie die eines Tanzes: Ruhe, Kraft und Harmonie waren zu spüren, Gleichgewicht, Koordination und Bewegungsabläufe wurden geübt, und das Ganze hat ein gutes Gefühl hervorgerufen. Die eineinhalb Stunden waren schnell vorbei und fanden am nächsten Tag ihre Fortsetzung. An diesem Morgen waren nicht mehr alle anwesend, was mir mehr als recht war. Wir hatten dadurch mehr Platz und die Aufmerksamkeit des Kursleiters bei den einzelnen Übungen musste nicht mit so vielen geteilt werden.                                                                                                       Doris Ammann

Osteuropäische Tänze mit Roberto Bagnoli

Im Hotel Beau Rivage waren zwei Lektionen osteuropäische Tänze mit Roberto Bagnoli geplant. Viele erwartungsvolle Gesichter standen am Mittwochmorgen in dem relativ engen Saal und warteten, was da wohl kommen möge. Ganz lässig, aber konzentriert stand Roberto in der Mitte des Kreises und begann mit dem türkischen Kreistanz „Damat Halay“. Methodisch gut aufgebaut, konnten wir in kürzester Zeit diesen Kreistanz im 4/4-Takt in zwei Kreisen tanzen. Die Tanzsprache war übrigens englisch/französisch. Wir tanzten 7/8, 6/8, 2/4, 3/4 und sangen uns durch die bunt gemixten Lieder (Hora de munte wisst ihr noch?)  und genossen dabei die fröhliche Stimmung. Die Mischung der ausgewählten Tänze einmal rassig dann wieder langsam, aus Armenien, Bulgarien, Rumänien und Albanien stammend, waren von Roberto sehr gut ausgewählt.
Der zweite Teil am nächsten Morgen war weiterführend und genau so spannend wie der erste Teil. Schön eingeführt hat er übrigens den bekannten rumänischen Tanz „Siriul“ von der S-11.                 Gisela Maldini

Am Freitag war  Ausflugstag.

Ich wählte den Besuch einer Bonbon-Fabrik, einem Familienbetrieb, wo wir zuschauen konnten wie mit viel Handarbeit die „Täfi“ gefertigt wurden. Wir waren fasziniert und sehr motiviert, uns im Fabrikladen reichlich mit Süssigkeiten einzudecken.                                                           Helen Bader

Besuch der Weberei Garnier-Thiebaut

Durch die Heirat von Jean-Baptiste Garnier mit Virginie Thiebaut 1833 wurde das gleichnamige Textilwerk  gegründet. Zu dieser Zeit gab es in den Vogesen mehrere Webereien. Das Quellwasser in dieser Gegend hat einen gewissen Säuregehalt, der für die Textilveredelung optimal ist. Das Erscheinen der elektrischen Webstühle brachte die Webereimanufaktur in Schwung. Während des 2.Weltkrieges, 1944, wurde die Stadt Gérardmer stark zerstört. Auch das Werk Garnier-Thiebaut verbrannte vollständig.
Garnier-Thiebaut , unterdessen im Besitz der Familie Montclos, ist zur Zeit der einzige Fabrikant, der die ganze Produktion in den Vogesen durchführt. 200 Personen beschäftigt das Werk. Es stellt Tischwäsche, Bettwäsche, Frotteewaren und verschiedene Produkte her.
Die Jaquardweberei ist der Grund des Erfolges des Unternehmens. Durch diese besondere Art des Webens entsteht ein Reliefmuster, das auf beiden Seiten des Stoffes sichtbar ist. Spezielle Färbeverfahren (Indanthren) garantieren für leuchtende und haltbare Farben. Durch das Veredeln der Baumwolle wird der Glanz und die Widerstandsfähigkeit erhöht.  Vera Zanetti

Ferme-Musée de la Soyotte

Bauernhofmuseum in einem Hof vom Ende des 18. Jahrhunderts: Ausstellung von Kleidung und Geräten der Bauern sowie von Handwerksberufen.
Wir wurden von der Mitbegründerin des Museums, einer passionierten Sammlerin, geführt. Zu jedem Gegenstand wusste sie eine Geschichte zu erzählen, und es hatte unendlich viele (zu viele!) Gegenstände. Der Busfahrer musste uns schliesslich herausholen, damit wir pünktlich abfahren konnten.                                                                                     SBH

Unterkunft und Verpflegung

Die Situation in Gérardmer erlaubte es nicht, dass wir alle am gleichen Ort untergebracht wurden: die 260 Teilnehmenden wurden auf ein Dutzend Hotels in der nahen, aber auch weiteren Umgebung des Kongresszentrums verteilt. Wer näher wohnte, konnte zu Fuss am See zum Zentrum gelangen, die andern wurden mit Bussen hin- und zurückgeführt, was leider immer zu einem abrupten Ende des Programms führte. Vor allem am Abend vermissten wir die Möglichkeit noch gemütlich zusammen zu sitzen, zu plaudern oder zu singen.
Dafür waren die gemeinsamen Mahlzeiten jeden Tag ein Höhepunkt: im Esssaal standen ca 30 runde, jedes Mal schön gedeckte Tische für 8 Personen. Nebst Wasser standen auf jedem Tisch eine gekühlte und geöffnete Flasche Weisswein und eine Flasche Rotwein - beide wunderbar! Es gab zu jedem Essen eine regionale Vorspeise (Elsass & Lothringen), ein Käsegang - jeden Tag zwei andere Sorten – und natürlich ein Dessert. Vom Galadiner wollen wir gar nicht zu schwärmen beginnen: es begann mit einem Glas Crème d’Alsace und endete mit einer Création de Dessert, insgesamt 7 Gänge und das alles für 260 Personen. Chappeau!                           Susanne

 

Am letzten Abend fand die angekündigte „Überraschung“ statt: der Auftritt einer jungen Volkstanzgruppe aus Epinal mit französischen Tänzen und Liedern. Es war ein Feuerwerk an temperamentvollen Tänzen, mit einfachen Grundschritten, aber mittels einer raffinierten Choreografie mit ständig wechselnden Aufstellungen effektvoll in Szene gesetzt, mit immer wieder wechselnden Kostümen und bäuerlichen Utensilien; in staunender Erinnerung geblieben ist sicher u.a. der Burschentanz in urtümlichen Schneeschuhen.

Im 2. Teil des Abends fand die Dankes- und Geschenk-Zeremonie statt. Die Dänen erledigten das mit Bravour; mit geschmückten Dankes-Plakaten in allen Sprachen zogen sie durch den ganzen Saal, gefolgt von allen Anwesenden in langen Reihen.

 

Die „Übergabe“ der Franzosen an die Finnländer war phantasievoll und spannend gestaltet – es kam mir ein wenig wie die Übergabe der Flamme an den olympischen Spielen vor. Der Schlusspunkt durch das Gastgeberland wurde mit Charme und Heiterkeit gesetzt. Zwei frottéebekleidete Herren des Organisationsteams stiegen aus dem Saunahäuschen auf der Bühne in den Saal herunter und verabschiedeten sich rundum sehr liebevoll und aufwendig, vor allem von den exponiert in den ersten Reihen sitzenden Damen.

Vive la France ..! und nun : wir freuen uns auf Finnland.. !              Ursula

 

Ich war sehr beeindruckt von der Organisation, wie gut das alles geklappt hat und möchte dem kleinen aber starken französischen Team ein grosses Kompliment machen.
Samstagmorgen 08.30 Uhr auf dem Bahnhofplatz von Colmar: Verena und Laimdota (aus Lettland) tanzten den Zwiefachen, den wir bei Michèle im Workshop gelernt hatten, derweil hatten Baiba und ich ein grosses Taschentuch nötig, um die Abschiedstränen aufzufangen! Welch wunderbare Begegnungen, Gespräche, Überraschungen und Freuden erlebte ich doch an meinem ersten ISCD -Treffen in Gérardmer. Es war ganz einfach toll und ich genoss jeden Tag voll und ganz.
Gérardmer bleibt mir in sehr guter Erinnerung, habe ich doch auch eine Gegend von Frankreich kennengelernt, die trotz immer wiederkehrenden Wirtschaftskrisen versucht, mit innovativen Ideen über die Runden zu kommen.                                                                               Claudia Gschwind

Zusammengestellt aus verschiedenen Berichten der „Erstmaligen

 

Noch mehr Fotos

Die Schweizerinnen (Ohne Claudia & Verena) dafür mit zwei Lettinnen

 

Morgeneinstimmung mit Tanzen im Sitzen

           

            Frankreich tanzt die "Polka Piquée de Gérardmer"

 

Im Round Dance Workshop wars lustig

            

             Die Schweizerinnen zeigen "Lord of the Dance"

Ah! Les Desserts!