DIE ENTWICKLUNG DES SENIORENTANZES IN DER SCHWEIZ

 

Der Anfang: Einflüsse aus Deutschland

Ab Mitte der 50er Jahre erkannten weitsichtige Menschen, die sich mit Altersfragen auseinandersetzten, dass zu einem erfüllten Lebensabend nicht nur eine gesicherte Altersrente gehörte, sondern auch Lebensqualität. Nicht rasten sollten die Ältern, sondern in fröhlicher Gemeinsamkeit sich bewegen, um den Altersbeschwerden und der Vereinsamung vorzubeugen. So wurden ab 1960 zuerst vereinzelt, später flächendeckend Altersturn- und Schwimmgruppen gegründet.
Die Idee des Tanzens mit Senioren stammt aus Deutschland. Frau Ilse Tutt, erfahrene Tanzleiterin an einer deutschen Volkshochschule, wollte die älteren Menschen tanzenderweise aus der passiven Rolle reissen. Sie erkannte dabei, dass sich der Gesellschaftstanz für diesen Zweck nicht eignete. Sie "erfand" den Seniorentanz und definierte ihn: keine Führungsrolle, sowie Partnerwechsel als Bestandteil des Tanzes.
Nebst neuen Tänzen gehörten Volkstänze vor allem aus USA , England und dem Balkan sowie einfache Blocktänze zum Repertoire, ausserdem Tänze im Sitzen.
Von diesem neuen Angebot für Senioren hörte das Ehepaar Irma und Ernst Hess, die im Auftrag der Senioren-Volkshochschule Solothurn einen ersten Lehrgang organisierten. Im Herbst 1976 fand auf dem Balmberg dieser erste Wochen-Kurs statt unter der Leitung von 3 deutschen Damen (Ilse Tutt, Inger Merete Gerwig und Ilse Behrens), die die 48 Teilnehmerinnen dermassen von ihrer Idee überzeugen und begeistern konnten, dass die meisten von ihnen in irgendeiner Form selber aktiv wurden. 1977 wurden die ersten Tanzgruppen in der Schweiz gegründet.

Auf eigenen Füssen

In den folgenden 2 Jahren fanden die Grundlehr- und Aufbaukurse noch unter deutscher Leitung auf Schloss Hünigen statt. Danach wurde aber ein schweizerisches Leiterinnenteam mit 9 Frauen aus verschiedenen Kantonen gewählt, unter ihnen Annelis Aenis und Rita Leupold.
Ab 1979 standen wir also auf eigenen Füssen. Dabei entwickelten wir unsere eigenständige Art mit Senioren zu tanzen: statt neue Tänze zu kreieren, zeigte uns Annelis Aenis aus ihrem riesigen Volkstanzschatz bestehende Tänze, die gut auch mit älteren, tanzungewohnten Menschen getanzt werden konnten.

Eine Trägerschaft braucht es

Obwohl seit 1979 offizielle Zentralkurse der SVA (Schweizerische Vereinigung für Alterssport) und Weiterbildungen für kantonale Fachleiterinnen organisiert wurden, stimmte die Kommission gegen die Aufnahme des neuen Fachgebietes. Hauptgrund: Konkurrenz zum Turnen! Da anerbot sich die Pro Senectute, die ebenfalls am Aufbauen eines breiten Sportangebots für ältere Menschen war, die neue Sportart aufzunehmen.
Die Kommission der Pro Senectute Alter + Sport erarbeitete in den folgenden Jahren Richtlinien zur Ausbildung von Tanzleiterinnen und bot den kantonalen Fach- und Kursleiterinnen Weiterbildungsmöglichkeiten an. In den letzten zehn Jahren wurden die Strukturen an die Anforderungen der Eidgenössische Hochschule für Sport Magglingen angepasst.

Internationale Kontakte

Frau Tutt war auch für die Idee der Internationalen Seniorentanztreffen verantwortlich. Die belgisch/flämische Tanzorganisation VDCV setzte diesen Gedanken in Tat um und lud 1983 erstmals zu einem Internationalen Seniorentanztreffen (IST) nach Malle ein. Erst am 4. Treffen 1989 in Österreich wurde aus dem Seniorentanztreffen ein Internationales SeniorenTanzleiter-Treffen, an dem jeweils über 200 Personen teilnehmen.
Hier eine Zusammenstellung der Treffen:

  1. 1983 BELGIEN Malle 3 Teilnehmerinnen aus der Schweiz
  2. 1985 BELGIEN Malle ca 20
  3. 1987 DEUTSCHLAND Geseke-Eringerfeld 22
  4. 1989 ÖSTERREICH Strobl 33
  5. 1991 DÄNEMARK Ebeltoft/Mols 28
  6. 1993 BELGIEN Malle 27
  7. 1995 HOLLAND Beekbergen 24
  8. 1998 SCHWEDEN Backagården 17
  9. 2001 SCHWEIZ Fiesch rund 50
10. 2004 DÄNEMARK Vejle 24
11. 2007 DEUTSCHLAND Willingen 22
12. 2010 FRANKREICH Gérardmer 33
13. 2013 FINNLAND Tampere 22
14. 2016 ÖSTERREICH Pamhagen 24

Am Treffen in Holland 1995 sassen zum ersten Mal die Landesverantwortlichen für einen Gedankenaustausch zusammen. Daraus entstand das „International Senior Dance Commitee“ ISDC, das sich alle 3 Jahre im Herbst in Deutschland trifft. Unterdessen gehören 14 Nationen dazu.

Ausser den Vorbereitungen fürs internationale Treffen, wird über die Definition „Seniorentanz“ diskutiert, über Richtlinien zur Herstellung von Tanzbeschreibungen, über Urheberrechte , CD-Herstellung und Raubkopien, sowie über die Ausbildung zur Seniorentanzleiterin, über neue Tanzströmungen (Round Dance), über Mitgliederwerbung und die Suche nach Leiterinnen.

An der Tagung in Bonn 2005 wurde auch die Verlinkung der verschiedenen Seniorentanz-Internetseiten beschlossen, was uns veranlasste, diese Seite zu gestalten.