Definition

Tanzen im Sitzen ist eine ganzheitliche Förderung bewegungseingeschränkter und/ oder pflegebedürftiger Menschen. Tanzen im Sitzen kann für sich ein eigenständiges Bewegungsangebot sein. Es können daraus aber auch Teile bereichernd in andere Bewegungsangebote integriert werden. Tanzen im Sitzen ist sehr vielfältig und lebt von der Musik. Sie spricht den Menschen ganzheitlich an und erfasst ihn nicht nur körperlich, sondern auch geistig-seelisch. Die noch vorhandenen Bewegungsmöglichkeiten werden genutzt und verbessert; dabei dienen die Musik, der Rhythmus und diverse Handgeräte als Unterstützung. Gut ausgewählte Musik mit ihren Impulsen verlockt, das Gehörte bewegungsmässig umzusetzen. Dieses Zusammenspiel von Musik und Bewegung ist der Ansatz der Tanzarbeit. Dabei werden der Kontakt und die Gemeinschaft in der Gruppe gefördert, Wohlbefinden, Lebensmut und Lebensfreude wachsen. Die Durchführung einer lebendigen, fröhlichen Stunde wirkt sich positiv in den Alltag aus. Folgende Ziele werden dabei angestrebt:

Aktivieren und trainieren von Alltagsbewegungen
Lockern und entspannen
Verbessern von Konzentration, Merkfähigkeit, Reaktionsvermögen und Koordination
Erleben von Gemeinschaft
Abbauen von Berührungsängsten
Stärken des Selbstvertrauens
Vermitteln von Freude an der Bewegung
Wecken von Erinnerungen

Eine Lektion Tanzen im Sitzen ist vielfältig und wird kreativ zusammengestellt. Sie enthält vor allem Tänze im Sitzen zu einem meist jahreszeitlich angepassten Thema. Dazu kommen Lieder, ein Gedicht, ev. ein kurzer Text und ein Gespräch.

 

Entwicklung

Die Idee des Tanzens mit Senioren stammt von Ilse Tutt aus Deutschland, einer erfahrenen Tanzleiterin an einer Volkshochschule. Sie wollte die älteren Menschen tanzenderweise aus der passiven Rolle reissen. Sie „erfand“ den Seniorentanz. In der Folge entstanden auch Tanzspiele und allmählich, für nicht mehr so mobile ältere Menschen, Sitztänze.

Mit der europaweiten Entwicklung des Seniorentanzes entstand auch die Idee von internationalen Treffen. Das erste Treffen fand 1983 in Belgien statt. Weitere folgten alle zwei, ab 1998 alle drei Jahre. 2001 organisierten die Schweizer Tanzleiterinnen das Treffen in Fiesch. 2004 reisten die Delegationen nach Dänemark, 2007 nach Deutschland. An diesen Treffen gab es regelmässig Workshops mit dem Angebot „Sitztänze“. So gelangten erste Sitztänze auch in die Schweiz. Diese ersten Sitztänze führten ein kümmerliches Dasein und wurden in zeitlich sehr knappen Einheiten weitervermittelt.

 

Eine neue Entwicklung setzt ein

1995 wurde Trudi Moser-Lehmann die Aufgabe übertragen, Sitztänze an Leiterinnen und Leiter zu vermitteln. Sie hatte die Fachleitung Volkstanzen im Kanton Solothurn übernommen. Um eine breitere Einführung ins Tanzen im Sitzen zu erlangen, besuchte Trudi Moser-Lehmann im Frühjahr 1996 das Seminar in Hannover mit den Referentinnen Christel Schulze und Edith Kruse, kurze Zeit später nochmals mit Theresa Martinelli-Biasio, Kursleiterin aus Zürich, die bereits Sitztänze erfolgreich kreiert und vermittelt hatte. Mit der Idee der Umsetzung eines ähnlichen Projektes in der Schweiz kehrten die beiden Frauen heim. Ein Jahr später war es soweit. 1997 wurde der erste dreitägige Spezialkurs unter dem Patronat von Pro Senectute Kanton Solothurn ausgeschrieben und fand ein breites Echo. Seither haben viele Teilnehmende in 19 Spezialkursen das Projekt Tanzen im Sitzen kennen gelernt. Der Spezialkurs ist für alle Interessierten offen und nach Abschluss gibt es eine Kursbestätigung. Die Absolventen können anschliessend einen jährlichen Fortbildungstag besuchen, an dem Repetitionen und Neu-Kreationen von Bewegungsfolgen vorgestellt werden.

Die beiden Kursleiterinnen haben für den Start der Spezialkurse einen eigenen Tonträger, den Tanzplausch 1, zusammenstellen lassen und dazu ein Begleitheft mit Bewegungsfolgen geschaffen. Aufgrund der guten Aufnahme sind seither Tanzplausch 2 und Tanzplausch 3, je CD und Begleitheft entstanden, die sich grosser Beliebtheit erfreuen. Die vielfältig zusammengestellte Musik kann nicht nur fürs Tanzen im Sitzen, sondern auch für andere Bewegungsangebote verwendet werden.

 

Organisation

In der Schweiz gibt es zur Zeit etwa 30 Gruppen, die regelmässig Tanzen im Sitzen im Angebot haben. Das älteste regelmässige Angebot startete bereits im Mai 1993 im Alterszentrum Kehl in Baden durch die Initiative der damaligen Heimleiterin Ursula Nakamura-Stöcklin mit Trudi Moser Lehmann als Leiterin. Bis heute leitet sie dort zusammen mit anderen Leiterinnen das Projekt, das sich grosser Beliebtheit erfreut.

Siehe auch unter Rubrik: "Tanzangebote für SeniorInnen: Tanzen im Sitzen".

Weitere Gruppen sind im Entstehen. Interessierte Frauen und Männer können einen dreitägigen Spezialkurs besuchen und anschliessend jährliche Fortbildungstage belegen.

 

Information und Auskunft

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